Der Weg zur Neovagina - Alles, was du über die geschlechtsangleichende Operation wissen musst
- Marlon Stiller

- 21. Feb. 2023
- 4 Min. Lesezeit

Für trans:feminine Personen ist die geschlechtsangleichende Operation ein wichtiger Schritt. Ein zentraler Bestandteil dieser Operation ist die Schaffung einer Neovagina. In diesem Blogbeitrag möchten wir dir alles Wissenswerte zur geschlechtsangleichenden Operation und zur Neovagina aufzeigen. Zur Realisierung können zwei verschiedene Techniken verwendet werden, die mehrere einzelne Operationsschritte verbinden.
Vor der geschlechtsangleichenden Operation müssen trans:feminine Personen einige Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören unter anderem:
Kostenübernahme der Krankenkasse
Indikationsschreiben
Eine stabile psychische Gesundheit
Eine Hormonbehandlung für mindestens sechs Monate
Ein Jahr Leben in der gewünschten Geschlechtsrolle
Die Penile Inversion Technique
Die Penile Inversion Technique ist die am häufigsten verwendete Methode zur Schaffung einer Neovagina und dauert regulär ca. 4 bis 8 Stunden. Dabei wird die vorhandene Penishaut verwendet, um die Vaginalhöhle zu bilden. Hierbei kann entsprechend der Vaginalgang maximal so tief werden, wie die ursprüngliche Penislänge es hergibt.
Der Eingriff kann unter Vollnarkose oder Spinalanästhesie durchgeführt werden und dauert in der Regel mehrere Stunden. Während der Operation werden folgende Schritte durchgeführt:
Vorbereitung: Die Patientin wird in den OP gebracht und unter Narkose oder Anästhesie gesetzt. Die Genitalregion wird sterilisiert und mit einem Tuch abgedeckt.
Entfernung der Hoden und Schwellkörper: Bevor die Vaginalhöhle gebildet werden kann, müssen die Hoden und die Schwellkörper entfernt werden. Dies geschieht in der Regel durch einen Schnitt am Skrotum.
Bildung der Vaginalhöhle: Der Penisschaft wird abgetrennt und das Gewebe umgedreht. Die Eichel wird in den Körper zurückgezogen und dient als Klitoris. Die Schamlippen werden aus den verbliebenen Schwellkörpern geformt.
Anlage der Harnröhrenmündung: Die Harnröhrenmündung wird in der Neovagina angelegt, damit die Patientin urinieren kann.
Verschluss der Wundbereiche: Nach Abschluss der Operation werden Drainagen platziert, um überschüssiges Wundsekret abzuführen. Die Wunden werden verschlossen und der Patient wird zur Überwachung in den Aufwachraum gebracht.
Vorteile
Geringere Komplikationsrate als bei anderen Methoden
Kürzere Operationszeit als bei anderen Methoden
Natürlichere Optik und Haptik
Nachteile
Begrenzte Tiefe der Neovagina (ca. 12-15 cm)
Möglicherweise ungleichmäßige Schaffung der Labien
Schaffung der Neovagina aus verändertem Penisgewebe
Komplikationen
Blutungen: Blutungen sind ein häufiges Risiko bei jeder Operation. Es ist wichtig, dass der Chirurg alle Blutgefäße sorgfältig kauterisiert, um Blutungen zu minimieren.
Infektionen: Infektionen können nach der Operation auftreten, insbesondere wenn die postoperative Wundpflege nicht ordnungsgemäß durchgeführt wird. Eine Infektion kann zu Schmerzen, Schwellungen und Fieber führen.
Wundheilungsstörungen: Wundheilungsstörungen können durch eine gestörte Durchblutung oder unzureichende Wundpflege verursacht werden. Es kann zu einer verzögerten Wundheilung oder einer Narbenbildung kommen, die zu einer Veränderung der äußeren Erscheinung der Vulva führt.
Sensibilitätsverlust: Es kann zu einem vorübergehenden oder dauerhaften Verlust der Empfindlichkeit im Bereich der Vulva und der Vagina kommen.
Schlechte kosmetische Ergebnisse: Eine schlechte kosmetische Ergebnisse können bei der Penile Inversion Technique auftreten. Dies kann auf eine unzureichende Entfernung der männlichen Genitalien oder eine ungleichmäßige Platzierung der Hautlappen zurückzuführen sein.
Siekmann-Vaginoplastik
Die Siekmann-Vaginoplastik ist eine Form der geschlechtsangleichenden Operation, bei der die neovagina aus einem Stück des Darmgewebes der Patientin gebildet wird. Der Eingriff dauert regulär 8 - 12 Stunden. Im Folgenden werden die einzelnen Schritte dieser Operation im Detail beschrieben:
Entfernung der Hoden (Orchiektomie): Die Operation beginnt damit, dass die Hoden entfernt werden. Dies kann entweder durch einen Schnitt in den Hodensack oder durch einen Bauchschnitt erfolgen.
Präparation des Perineums: Das Perineum, das Gewebe zwischen After und Hodensack, wird sorgfältig präpariert, um die Blutgefäße freizulegen, die später für die Neovagina benötigt werden.
Präparation des Darms: Nachdem das Perineum präpariert ist, wird der Darm für den späteren Gebrauch vorbereitet. Ein Stück des Darmgewebes wird aus dem Dickdarm entnommen und in die richtige Größe und Form für die Neovagina gebracht.
Bildung der Neovagina: Das Darmstück wird in den Perinealraum eingebracht und dort mit den freigelegten Blutgefäßen verbunden. Die Neovagina wird dann von innen ausgekleidet und sorgfältig verschlossen, um eine ausreichende Tiefe und Breite zu gewährleisten.
Korrektur der Labien: Die großen und kleinen Schamlippen werden aus dem verbliebenen Hodensackgewebe geformt und angepasst, um das äußere Erscheinungsbild der weiblichen Genitalien zu vervollständigen.
Abschluss der Operation: Nach Abschluss der Operation werden Drainagen platziert, um überschüssiges Wundsekret abzuführen. Die Wunden werden verschlossen und die Patientin wird zur Überwachung in den Aufwachraum gebracht.
Vorteile:
Tiefe der Neovagina kann individuell angepasst werden (bis zu 20 cm)
Natürlichere Schaffung der Labien
Funktionierende Schmierfähigkeit
Nachteile:
Längere Operationszeit als bei der Penile Inversion Technique
Mögliche Komplikationen aufgrund der Verwendung von Darmgewebe (z.B. Infektionen)
Mögliche Beeinträchtigung der Darmfunktion
Komplikationen
Darmperforation: Die Entnahme von Darmgewebe kann zu einer Darmperforation führen. Es ist wichtig, dass der Chirurg die Entnahme sorgfältig durchführt, um eine Perforation zu vermeiden.
Infektionen: Infektionen können nach der Operation auftreten, insbesondere wenn die postoperative Wundpflege nicht ordnungsgemäß durchgeführt wird.
Geruchsbelästigung: Der Gebrauch von Darmgewebe kann zu einem unangenehmen Geruch in der Vagina führen.
Stenose: Es kann zu einer Verengung der Neovagina kommen, die zu Problemen beim Geschlechtsverkehr führen kann.
Inkontinenz: Eine Inkontinenz kann auftreten, wenn der Schließmuskel des Darms beschädigt wird.
Rektumprolaps: Bei einer Verwendung des Darmgewebes kann es zu einem Prolaps des Rektums kommen, insbesondere wenn das Gewebe nicht ausreichend fixiert wird.
Postoperative Phase
Nach der geschlechtsangleichenden Operation ist es wichtig, den neu gebildeten Vaginalgang regelmäßig zu dehnen, um eine ausreichende Größe und Weite zu erhalten. Die Dauer und Intensität der Dehnübungen hängen von der individuellen Anatomie und dem Heilungsprozess ab und sollten mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
In der Regel beginnt das Dehnen 3-4 Wochen nach der Operation und wird für mindestens 6 Monate empfohlen. Es wird empfohlen, die Dehnübungen zweimal täglich durchzuführen, mit zunehmender Intensität und Dauer im Laufe der Zeit. In einigen Fällen kann das Dehnen länger als 6 Monate empfohlen werden.
Es ist wichtig zu betonen, dass das Dehnen des Vaginalgangs ein wichtiger Teil des postoperativen Heilungsprozesses ist, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Es erfordert Geduld und Engagement, um das Ziel einer ausreichenden Größe und Weite des Vaginalgangs zu erreichen.
Zweite Geschlechtsangleichende Operation
In manchen Fällen wird nach ca. 3-6 Monaten ein weiterer Eingriff durchgeführt. Dieser dient zur optischen Verschönerung der Neovagina und zur Ausbesserung mithilfe kleiner Korrekturen. Komplikationen aus dem ersten Eingriff können hier ebenfalls behoben werden. Der Eingriff ist obligatorisch und muss individuell entschieden werden.





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